Warum unsere Zeit die Fasnacht braucht
- eichezunft
- 19. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
(Aus der Zuger Zeitung vom 12. Februar 2026)
Der «Fasnächtler des Jahres 2026» Michael Werder bricht eine Lanze für die fünfte Jahreszeit.

Ich wurde in die Eiche Zunft hineingeboren. Für mich sind die Eichelüüt Familie. Heute bin ich Zunftmeister der Eiche Zunft und «Zuger Fasnächtler des Jahres 2026». Wenn man mich kennt, wirkt das vielleicht widersprüchlich: Ich bin ruhig, nachdenklich und trinke keinen Tropfen Alkohol. Ruhe und Nüchternheit – nicht gerade das, was man spontan mit der fünften Jahreszeit verbindet. Es gibt Menschen, die die Fasnacht kritisieren. Sie finden sie primitiv oder nicht mehr zeitgemäss. Wenn man den Geist der Fasnacht aber kennt und sie als Kultur lebt, ist sie genau das, was unsere Gesellschaft heute braucht.
Für mich ist Fasnacht die Zeit der Narrenfreiheit – die Zeit, in der man der Gesellschaft respektvoll den Spiegel vorhalten soll. Ein Beispiel dafür ist die Inthronisation der Eiche Zunft. Dort führen wir jeweils ein satirisches Theaterstück auf. Weil wir 2026 unser 50-Jahr-Jubiläum feiern, habe ich das Stück im Jahr 1976 angesiedelt. Darin kommen auch ernste Themen vor. Die Kernaussage: Geschichte wiederholt sich. Und eigentlich hätten wir in 50 Jahren daraus lernen können. Der Blick aus der Gegenwart zeigt leider, dass wir das nicht immer getan haben.
Genau darauf darf die Narrenfreiheit hinweisen. Kürzlich war in dieser Zeitung von der «Vereinzelung der Gesellschaft» die Rede, die unsere Demokratie untergräbt. Demokratie lebt vom Miteinander. Dafür braucht es Gefässe, in denen dieses Miteinander erlebt werden kann. Die Fasnacht, aber auch das Vereinsleben allgemein, leisten hier einen wichtigen Beitrag. Deshalb richte ich einen Appell an Politik und Behörden: Hört auf, Vereinsaktivitäten mit immer mehr Auflagen zu verunmöglichen. Das würden viele engagierte Vereinsmenschen unterschreiben.
Aber auch an uns selbst richtet sich ein Appell: Gestalten wir unsere Anlässe so, dass sie in unsere heutige Zeit passen. Viele Vorschriften entstehen leider auch aus Unvernunft. Auch hier gilt: Wir sollten aus der Geschichte lernen. Und der Spiegel, den uns die Fasnacht vorhält, kann uns dabei helfen. Eine Fasnacht, die in unsere Zeit passt, bedeutet nicht, dass wir unsere Traditionen aufgeben müssen. Tradition ist Teil von Kultur. Und Kultur lebt davon, dass sie sich weiterentwickelt und Einflüsse zulässt. Die Eiche Zunft ist dafür ein gutes Beispiel. Das zeigt auch der Zuwachs an Familien in unserem Verein. Ich freue mich über jedes Kind, in dessen Augen sich heute das Eichefeuer spiegelt und ein Funke überspringt – so wie damals bei mir. Die Fasnacht hat mich zur Kultur gebracht. Kultur ist heute mein Beruf und meine Berufung. Fasnacht bleibt für mich ein Ort, an dem Gemeinschaft entsteht, an dem man lachen, nachdenken und begegnen kann. Wer diese Werte teilt und Teil davon werden möchte, ist bei uns willkommen. Die Eiche Zunft lebt davon, dass Menschen mitmachen, Verantwortung übernehmen und die Fasnacht als Kultur weitertragen – für heute und für die kommenden Generationen.





Kommentare