Die Geschichte
Die Fasnachtsgesellschaft Hünenberg
Um 1900 herum florierte eine lebendige Dorffasnacht in Hünenberg. Es wird von humorvollen Fasnachtsumzügen berichtet, welche auch die umliegenden Gemeinden, ja selbst die Stadt Zug heimsuchten. Fast jeder Hünenbürger Weiler war mit einem fasnächtlich geschmückten Wagen vertreten. Hin und wieder fand vor dem alten Degen ein Schnitzelbanksingen statt. Organisiert wurden diese Umzüge durch die Fasnachtsgesellschaft Hünenberg. Das Komitee präsentierte sich mit Frack und Zylinder und einer eigenen Fahne. In den 30-er bis 60-er Jahren luden die verschiedenen Dorfvereine zu Maskenbällen in den Gasthäusern ein: der Männerchor und die Rösseler im Wartstein, die Musikgesellschaft in der Wart, die Turner im Rössli, und der Feuerwehrball liess die Bützen zu einem Tollhaus werden. Der Güdisdienstag beschloss die Fastnacht (damals noch so geschrieben) mit der Uslumpete im Degen, wobei praktisch die ganze Bevölkerung anwesend war, die Männer mit Hüten oder Kappen und die Weiblichkeit maskiert. Zu bedenken ist jedoch, dass Hünenberg damals nicht einmal 1500 Einwohner zählte. Nach dem Bau des Saales „Hinrich von Hünenberg“ verlagerten sich jedoch die Bälle in den neuen Saal.
Als 1976 das Komitee ein paar Tage vor der Fasnacht noch immer nicht richtig wusste, wie, wo und was, entschlossen sich ein paar Fasnachtsbegeisterte, den alten Brauch auf neue Füsse zu stellen. Sie gründeten eine Fasnachtszunft, die Eiche Zunft. Der Name sollte darauf deuten, dass Hünenberg wegen der stämmigen Eichenwälder weitherum bekannt war.
Anfang der Eiche Zunft
Man setzte auf den 9. April 1976 eine Gründungsversammlung ein. Das Säli im Rössli war „graglet“ voll. Ein elfköpfiger Zunftrat wurde gewählt, dem Klaus Meyer als
Erster Zunftmeister vorstand. Ein gerütteltes Mass Arbeit stand an. An der Zunftversammlung am Martinitag des gleichen Jahres lagen die Statuten (sprich Satzungen), das Fasnachtssymbol (sprich Eichefrässer), die Zunftkostüme (sprich Eichegwändli) und das Fasnachtsprogramm zur Begutachtung vor. Ein finanzieller Grundstock wurde vorerst durch die Zunfträtinnen und Zunfträte selbst gelegt und dieser wurde vor allem durch die Beiträge der Einwohner-, Bürger- und Korporationsgemeinde konsolidiert. Innert weniger Wochen wurden gegen die 70 grünen Zunftgwändli, geschnitten und genäht, die schwarzen Masken gekleistert und ausgelegt und Tausende von Eicheln gestanzt. Auf die erste Eichefasnacht entstand der erste rosarote Eichefrässer. Als Ideenspender zeichnete der unermüdliche Grafiker und Künstler Werner Hofmann in Luzern. Dann endlich ging am 14. Januar 1977 die erste Inthronisation im Saal „Heinrich von Hünenberg“ über die Bühne. Als erster Zunftvater betrat Josef I. (Werder) mit seiner Frau Anna (später als Anna die Einmalige bezeichnet) die Bühne und sie eröffneten die Eichefasnacht 77 während es draussen Leintücher schneite. Die “Quaker“ die einzige Hünenbürger Guggenmusik damals und die Chomer “Lorzedräckgusler“ durchschmetterten den Saal. Drei Schnitzelbankgruppen gaben ihr Debut, nämlich die „Krawattesingers“, „Mey-Mei“ und „Sprützchanne“.
Während der neue Zunftball im Rössli keinen grossen Staub aufwirbelte, begeisterte hingegen der Kinderumzug am Fasnachtsdienstag. Eine Chesslete gab es noch nicht. Einzig eine fasnachtsbegeisterte Familie zog mit Drümmeli und Blockflöten durch den dunklen sonst aber stillen Schmutzigdonnerstagmorgen.
Die Eiche Zunft wird zu einer Wucht
Doch, wo elf „hirnende“ Köpfe zusammenkommen, entsteht eine riesige Ideenfülle. Die Fasnachtsbegeisterung nahm in der Folge immense Ausmasse an. Die alljährlich erkorenen Zunftväter und Zunftmütter, (seit 2006 Zunftpaare) geniessen in der Bevölkerung grosses Ansehen. Die Kleinen in den Kindergärten freuen sich stets auf den Besuch des Zunftpaares und warten ungeduldig, bis (meist) die Zunftmutter das von der Jugendschriftstellerin Hedwig Bolliger geschriebene Zunftmärli erzählt. Darin wird berichtet, wie eine dicke Sau des Fährmanns an der Reuss ausgerissen sei und die Eichenwälder drangsaliert habe, bis sie die Eichenleute fangen konnten und auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Jeweils am Güdisdienstagabend findet nach dem Fasnachtsumzug das Spektakel mit dem Eichefrässer im Beisein von Jung und Alt statt. Die Inthronisation des Zunftpaares hat sich zu einem Hünenberger gesellschaftlichen Höhepunkt entwickelt, an dem der streng geheim gehaltene Name des Zunftpaares gelüftet wird, wo aber auch vor allem lokale Begebenheiten persifliert werden. In der Folge der Jahre bildeten sich innerhalb der Eiche - Zunft Untergrüppchen. Berühmt ist die Gruppe mit der weltgrössten Kaffeemaschine, der Kafisüdi, welche innert einer Stunde 4000 Eichekafi herzustellen fähig ist. Da gibt es ebenfalls die Suppechuchi-Mannschaft, die Eichleordeverteilerinnen, den Maronimann, die wilde Gruppe um den Eichefrässer und die unüberhörbaren rotgekleideten Rätschbäsen. Alle bereichern den Umzug unglaublich, wobei der Fährimaa auf dem Schiff nicht fehlen darf. Die ehemaligen Zunftoberhäupter bilden den Meisterrat, sogar mit einem eigenen Chor. Wenn zu Anfangszeiten der Zunft die grünen Zunftgwändli omnipräsent waren, sind heute auch andere Farbtupfer, blau, rot, schwarz, zu entdecken. Die Eiche Zunft hat sich zu einem bunten Ensemble entwickelt, in dem die Tradition nicht vergessen wird, wo aber auch das Neue Eingang findet. So bleibt die Eiche Zunft nicht stehen sondern lebt, und es ist richtig, wie der Gemeindepräsident meint: Die Eiche Zunft ist nicht mehr aus dem Dorfbild weg zu denken. Heute zählt die Eiche Zunft mehrere hundert Zünfterinnen und Zünfter.
Klaus I.