Das Zunftmärli
„En Eichemaa isch de Dräcksou noh“
Es Märli um d`Hünebärger Fasnacht, vo de Hedwig Bolliger(De Eichefrässer vo Hünebärg)
Wo de Liebgott d Tier erschaffe hed, do hed er si nid nur mit schöne Fähli, Fädere oder Schuppe uusgstattet, nei, au mit passende Waffe, dass si sich allfälligi Find chönid vorn Lyb halte mit Hörnere und Chlaue, mit Zände und Stachle. Zletscht sind em grad no zweu langi, bolzgradi Hörner vorig plibe, und er hed gmeint, die bruuchi er nümme. Aber woner si scho hed welle versorge, sind undereinisch zweu prächtigi, schneewyssi Tier vorem gstande. Si händ echli uusgseh wie Ross, aber es sind allwäg doch e keini gsy, susch hättids amel gwüss nid gseid, si heigid welle iri Hörner cho hole. «Hörner?» De Liebgott hed si gross aagluegt. «Für was bruuchid jetz ihr Hörner? Ueberhaupt, ich ha nur no zweu, de chäm jo doch eis vo eu z churz.» «0 gar nid! » händ die wysse Tier früntlich gseid. «De teilid mir eifach. Als Zwilling sind mir das gwönt. Eis Horn für jedes, das langet scho, mir sind wohl zfride.»
Das hed im Liebgott eso gfalle, dass er di beide Hörner nochli länger und spitziger uuszoge hed, bevor er jedem Zwilling eis zmitzt uf d Stirne gsetzt hed. «Eihorn, so isch jetz eue Name,» heder gseid. «Gönd, machid öppis Guets druus!»
Me hed noheer uf der Erde vo dene beide schöne Tiere fryli nid grad vil z gseh überchoo. Si sind halt am liebschte i einsame Gägete umegstreift. Aber wer ene verkoo isch, dee hed nüd Böses vonene z'gwärtige gha, amel wener nid sälber eso öppis im Schild gfüehrt hed. ,Und immer sinds zärne gsy. Keis hätt öppis oni s ander undernoh. Alles händs teilt, Freud und Leid.
Underdesse sind d Mänsche immer zahlrycher worde und händ drum aagfange, Gmeinde und Staate z bilde. Doo defür händs Wappe pruucht, und es wunderet eim nid, dass mängs Volk es Tier i sys Wappe gsetzt hed. Di meischte Mänsche händs jo prima verstande, us de Tiere ire Nutze z zieh und si sich einersyts zu Fründe, andersyts dienschtbar z mache.
Nocheme Wappetier hed au es Völkli gsuecht, wo zwüsche See und Flusslauf gwont und deete brav puuret hed. «Eichelüüt», eso hed mer ne gseid, aber es isch nid ganz sicher, worum. Vilicht isch dee Name uufchoo, wil 1. säbere Zyt no grossi Eichewaldige zu irer Gmeind ghört händ. Vilicht isches aber au gsy,: wil sich alli gern grüen aaggleid händ, und das hed zu irne bruune Gsichtere eso guet passt, dass si sälber echli wie Eiche uusgseh händ, die Eichemanne, Eichefraue und Eichechind.
Wie gseid, au d Eichelüüt händ für iri Gmeind es Wappeschild welle, und es Tier wärene drin grad rächt gsy. Aber was für eis? Es müess de scho öppis Apartigs sy, heds überall gheisse. Nüd, wo scho di andere heigid. Es isch mänge Vorschlag gfalle, aber es hed neume keine rächt passet. Adler und Steiböck ghörid ehnder zumene Bergvolk, händ d Eichelüüt mit Rächt gfunde, und e Leu us de Wüeschti wär i irem Wappe inne au fehl am Platz. E Bär hätt scho di besser Gattig gmacht: Das Tier hed Chraft, deby aber doch au öppis Gmüetlichs. Jo, e Bär passeti nid schlächt zu eus, händ d Eichelüüt gfunde. Wo si de aber vernoh händ, iri nöchschte Nochbere heigid e Bär als Wappetier uusgläse, sinds devo abchoo und händ de halt wider wyter gwerweiset.
Es sind sich es paar Tier cho vorstelle und hättid dee Poschte im Wappe gern übernoh: e stramme Muni, es paar liebi Schööfli und en
übermüetigi Geiss. Aber es hätt halt ebe, wie gseid, selle öppis Apartigs sy. Jetz stellid eu aber vor, wer amene schöne Tag vortrabet isch und ums Verrode is Wappe hed welle: e Sou, e feissi, gruusigi Sou! Me hed nid gwüsst, isches e Wildsou oder isch si imene Puur vertrunne und i de Freiheit verwilderet. Uf all Fäll hed si grüüsli drygseh: Iri tick Schwarte mit de lange Borschte isch über und über verdräcket gsy; d Ohre sind eso struppig gsy wie Pfanneribel, und de Schwanz hed imene Abtrittbäseli ggliche. Und die hed gmeint, si passi is Wappe vo de Eichelüüte! Si wird halt tänkt haa, doo chöm si de amel sicher gnueg Eichle z frässe über, und die sindere halt s allerliebscht Fuetter.
Aber woll, i dere Sou händ d Eichelüüt de Marsch ploose ! "Mach dass d furtchunsch, du Grüsel!" heds gheisse. «Mir würdid jo s Gspött vo allne Lüüte, wemmer dich is Wappe tätid. Und zeig di nümmt bi eus, hesch ghört! Susch chasch de öppis erläbe!» Do hed die Sou mit Grunze und Gstank müsse abzottle, und wil si gägem See zue isch, so hed mer gmeint, jetzt seig mer si los. Das durtribe Tier hed aber nur derglyche too und isch noheer ufeme wyte Umwäg i Rüüssspitz abe gschliche. Dett hed es sich verschloffe und hed drüber noostudiert wien es sich a de Eichelüüte chönnt räche.
Es Wappetier hed das Völkli zwüsche See und Fluss glych no überchoo oder eigetli grad zweu. I säbere Zyt sind nämli ufem Hubel obe di beide Eihörner gsichtet worde, und alli Eichelüüt händ gfunde, das wär jetzt amel sicher öppis, wo nid scho all ander Lüüt im Wappe heigid. Die zweu schöne Tier sind yverstande gsy. «Aber uf all Fäll säb zweute!» isch iri einzig Bedingig gsy. "Mir sinds gwönt, zämezhaa und alles zteile. Vo dem lömmer is nid abbringe." I de Eichelüüte isch das meh as rächt gsy. Au sy händ jo , underenand s Zämehaa und s Teile im Bruuch gha und sind immer guet dermit gfahre. Eso sind die zweu apartige Tier i ires Wappe choo, und gly einisch hed mer si zäntume chönne gseh: uf Pergamänt gmoolet, uf Bannersyde gstickt und i Eicheholz gschnitzt.
D Eichelüüt händ sich schüüli gmeint mit irne schneewysse Wappetiere.Aber underdesse hed im Rüüssspitz unde di furtgjagt Sou e böse Racheplan uusprüetet. Schlau gnueg isch si gsy, zum wüsse, wo si d Eichelüüt am empfindlichschte chönn träffe. Gly emol hed bald dee, bald dise Puur müesse merke, dass em znacht öpper im früsch aapflanzete Acher oder Garte umegstampfet isch und di jung Saat vertüüflet hed. No ärger isches im Eichewald zueggange. Di schönschte Bäum händ aagfange särble, wil ene öpper d Wurzle usegnüchlet, d Rinde abkratzet und di undere Aescht abgrisse hed. I de Jungpflanze isches um keis Hoor besser ggange. Me hed si lang chönne yhage, das hed gar nüd nützt. De Hag isch abegrisse worde, di junge Stämmli knickt und verstampfet, und deet, wo dBäumli scho echli stärcher gsy sind, ischene s Laub mit Stumpf und Steel abgfrässe worde.
S Aergscht a dere böse Sach isch aber gsy, dass niemer gwüsst hed, wer as doo bosget und geschändet. Bi de Eichelüüte hed eine der ander verdächtiget. Es hed Stryt under Nochbere ggeh, böses Blued und bösi Wort, Verlüümdig und Prozäss. De Fride i de Gmeind isch nur no amene Fädeli ghanget, und das isch jo vil schlimmer als e vertüüflete Wald.
Gottlob und Dank isch doo emol en Eichemaa, wo bsonders spoot vo de Wirtschaft heiggange isch, i dere Dräcksou verkoo und hed gmerkt, was doo gspilt wird. Jetzt isch i allne es Liecht uufggange. Sämtlichi Spure händ bestätiget, wer dee Eichefrässer isch, und wider ganz und gar einig hed mer uf ne Jagd gmacht. Aber das isch gly gseid! Die tuusigs Sou isch schlauer gsy as e Fuchs und hed sich nid lo verwütsche. Förschter und Wildhüeter, Puure und Jäger händere lang all Oobig chönne abpasse, gseh hed si niemer, aber morndess isch sicher wider imene andere Zipfel vo dere wytläufige Gmeind öppis kabuttgmacht gsy. Die ploogete Eichelüüt händ sich nümme gwüsst z hälfe. Si händ Falle grichtet und Schlinge gleid, aber dee durtribe Eichefrässer hed ene nid de Gfalle too, dass er dryggange wär.
Wer weiss, vilicht tät dee himeltruurig Zuestand hüt no aatuure, wenn nid öpper ander yggriffe hätt: di beide Eihörner usem Wappe vo de Eichelüüte. Jä, me muess halt nid meine, die seigid immer ganz brav, Rugge a Rugge, i irem blaue Wappefäld inne gsässe! I schöne Vollmondnächte heds öppe chönne vorchoo, dass si hübscheli us irem Rahme gstige und im Land umegstreift sind. Und bimene settige Galopp dur Wald und Au händ die zweu gschyde Tier de Eichefrässer uufgstöberet. Mit irne bolzgrade, spitzige Hörnere händs dee Uflood eso id Angscht gjagt, dass er was gisch was hesch devo gsatzet isch, schön deet dure, wo si ne händ welle haa, graduus id Falle vo de Eichelüüte. Deet hände am Morge es paar Manne gfunde und mit Halloo und Juhui gfesslet. Er isch vors Gricht vo de Eichelüüte gestellt worde. Deet händs em alli syni Uebeltate süüberli abegläse und er isch, wies i säbere Zyt de Bruuch hed welle, zum Tod verurteilt worde. I de ganze Gmeind händs alles gschändet Eicheholz, di abgrissene Aescht und di knickte Stämmli, zumene wältshöche Huufe zämetreid. Deet druffe hed de Eichefrässer syni Schandtate mitem Flammetod müesse zahle, und s ganz Eichevolk isch i syne grüene Chleidere drumume tanzet, d Eichemanne, d Eichefraue und natürli au d Eichechind.
Di beide Eihörner nid! Die sind jetzt wider ganz brav und müxlistill im blaue Wappefäld inne gsässe und händ nüd derglyche too, dass sy de Eichefrässer podiget heigid.
Woll, öppis händs glych grnacht: Wie Luusbuebe händ beidi iri spitzig rot Zunge usegstreckt, so lang as si gsy isch. Si machids hüt no, und sicher gohd das ad Adrässi vom Eichefrässer und vo jedem, wo i de Eichelüüte wett zleidwärche. Gönd, luegid nur sälber, weners öppe nid glaubid!
Hedwig Bolliger
S ganz Eichevolk isch i syne grüene Chleidere drumume tanzet..
(Holzschnittgrafik aus dem Zuger Kalender von 1981)